Henning Ziebritzki

Foto: Björn Klein

Hier finden Sie das Grußwort von Kai Gniffke, Intendant des Südwestrundfunks, in Vertretung einer der beiden Preisstifter, die Laudatio von Jurymitglied Norbert Hummelt sowie die Lesung und Dankworte von Henning Ziebritzki, dem Peter-Huchel-Preisträger 2020.


Henning Ziebritzki wurde 1961 in Wunstorf (Niedersachsen) geboren. Er studierte Evangelische Theologie, Philosophie und Germanistik in Tübingen, München und Mainz, wo er 1992 mit einer Dissertation über Origenes und den Mittel- und Neuplatonismus promoviert wurde. Ab 1995 arbeitete er als Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Hahnenklee (Oberharz), 2001 wechselte er als Lektor in den Wissenschaftsverlag Mohr Siebeck, den er heute als Geschäftsführer leitet. Er debütierte 1992 mit Gedichten in der Zeitschrift manuskripte (Graz). Seitdem erschienen seine Lyrik und zahlreiche Essays in namhaften Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen wie Jahrbuch der Lyrik, Akzente, Sinn und Form, bella triste, die horen oder Neue Rundschau. Er lebt in Tübingen.

Auszeichnungen u. a.

  • 2020 Peter-Huchel-Preis
  • 2003 Stipendium der Stiftung Niedersachsen
  • 1996 Niedersächsischer Förderpreis für Literatur

Gedichtbände

  • Vogelwerk. Gedichte. Verlag Wallstein: Göttingen 2019.
  • Schöner Platz. Gedichte. Zu Klampen: Springe 2007.
  • Randerscheinungen. Gedichte. S. Fischer Verlag: Frankfurt am Main 1998.
  • Gedächtnispaß. Eric van der Wal: Bergen 1995.
  • Was übrigbleibt. Eric van der Wal: Bergen 1994.

Übersetzungen u. a.
Arvind Krishna Mehrotra (Hrsg.): Indische Dichter der Gegenwart. Eine Anthologie englischsprachiger Lyrik Indiens. Das Wunderhorn: Heidelberg 2006.


Henning Ziebritzki: Vogelwerk

Der diesjährige Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht an den 1961 in Wunstorf geborenen und in Tübingen lebenden Lyriker Henning Ziebritzki. Die Jury würdigte in ihrer Sitzung am 17. und 18. Januar 2020 in Freiburg den bei Wallstein erschienenen Band „Vogelwerk“ als herausragende Neuerscheinung des Jahres 2019. Der mit 10.000 Euro dotierte Peter-Huchel-Preis wird am 3. April 2020, dem Geburtstag Huchels, in Staufen im Breisgau verliehen. Preisstifter sind der Südwestrundfunk und das Land Baden-Württemberg. Zu den bisherigen Preisträger*innen gehörten u. a. Ernst Jandl, Durs Grünbein, Thomas Kling, Uljana Wolf, Friederike Mayröcker und Thilo Krause.

Die Jury in ihrer Begründung: „Lange bevor das Birdwatching zum Trend wurde, inspirierte die Vogelbeobachtung Dichter*innen aller Gattungen. Henning Ziebritzkis dritter Gedichtband ‚Vogelwerk‘ lässt sich keineswegs einfach als beschauliche Ornithologie oder poetische Mimesis der Schöpfung beschreiben. Vielmehr hat Ziebritzki in 52 Gedichten, die jeweils mit einem Vogelnamen überschrieben sind, ein lyrisches Kalendarium sinnlicher Grenzerfahrungen und Überwältigungsmomente geschaffen. Den Porträts jeder einzelnen Vogelart ist immer auch ein Selbstporträt des lyrischen Subjekts eingeschrieben. Dabei spricht kein unbeteiligter, in sich ruhender Beobachter, sondern einer, der sich existenziellen Fragen aussetzt."

Der vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk gestiftete Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik wird seit 1984 für ein herausragendes lyrisches Werk des vergangenen Jahres verliehen. Der Preis erinnert an den Namensgeber Peter Huchel (geboren am 3. April 1903 in Groß-Lichterfelde bei Berlin), den bedeutenden Lyriker und langjährigen Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. Huchel starb am 30. April 1981 in Staufen im Breisgau. Die unabhängige Jury besteht aus sieben Literaturkritiker*innen, Autor*innen und Literaturwissenschaftler*innen.